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Ausschreibungsthema
"Das Licht scheint
in der Finsternis."
Die Bibel
"Mehr Licht" rief Johann Wolfgang von Goethe als letztes Wort in die Welt, bevor er starb. Zwar
handelte es sich um die schlichte Bitte, man solle doch den zweiten Fensterladen aufmachen, damit
mehr Licht in das Zimmer hereinkomme, aber dennoch verbirgt sich in diesem kurzen Ausruf in der
Todesstunde eine ganze Symbolik von Licht und Finsternis: das Licht als Metapher, ein Bildwort für
das Leben angesichts der Finsternis des Todes. Und ein anderer Literat, Bertolt Brecht, hat in
seiner Dreigroschenoper uns eine weitere Szene hinterlassen, die berichtet oder sogar anklagt, wie
das Leben in Licht und Finsternis unterschieden wird: "Denn die einen sind im Dunkeln und die andern
sind im Licht, und man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht."
Wie erlebe ich mich in dieser Welt zwischen Licht und Dunkelheit? Im alltäglichen Theater: stehe
ich auf der Seite derer, die vom Licht des Erfolgs, des Glücks, des Könnens beklatscht und
bewundert werden oder auf jeden Fall anerkannt sind; oder stehe ich eher abseits, unbekannt und
ungeliebt. Wahrscheinlich leben die meisten Menschen in einer Mischung von Licht und Dunkelheit,
denn man kann Erfolg haben und bewundert werden, doch im Inneren ist es eher grau, weil doch
Können und Leistung keine Liebe und Freundschaft ersetzen. Und genauso umgekehrt: Ich habe viele
Freunde und finde Anerkennung, aber in der Schule leide ich unter Druck und Misserfolg, da ist es
eben zappenduster. Goethes Wunsch nach mehr Licht bringt es auf den Punkt: Licht steht für Leben
und die Finsternis steht für den Tod. Der Tod steht aber nicht erst am Ende des Lebens und wartet
dort auf mich, sondern er schleicht sich schon sehr früh in mein Leben herein, überall dort, wo ich
traurig werde, missmutig bin, Freunde verliere und nach dem Sinn des Ganzen frage und keine Hoffnung
finde.
"Das Licht scheint in der Finsternis", so begrüßt der Evangelist Johannes in seiner
Weihnachtserzählung das Kommen Jesu in die Welt. Für Johannes ist Jesus das Licht, das zu
den/dem Menschen kommt und sie/ihn herausholt aus ihrer/seiner Verzweiflung. Er spricht mit denen,
mit denen sonst keiner mehr spricht; er trifft sich mit Leuten und isst und trinkt mit solchen, mit
denen man ansonsten nicht gern zusammen gesehen wird. Er holt Menschen aus der Macht des Todes
heraus und begibt sich selbst in die Todeswelt, wo Einsamkeit
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und Kälte, Sprachlosigkeit, wo
einfach nur das Nichts regiert. Die Finsternis wird nicht weggenommen, das Licht aber nimmt der
Finsternis ihren Absolutheitsanspruch; die Finsternis beherrscht nicht mehr mein Leben - ich
behalte oder bekomme neu eine Perspektive für mein Leben; das Licht zeigt mir einen Weg in die
Zukunft.
Du bist gefragt. Nimm Dir Zeit, Dich mit dem auseinanderzusetzen, was Dir zu
diesem kurzen Satz aus dem Johannesevangelium (Joh. 1,5) einfällt. Vielleicht kanst Du manches im
Gespräch mit Deinem Freund, Deiner Freundin oder Deinen Lehrern klären und weiter entwickeln.
Vielleicht findest Du Beispiele aus Deinem eigenen Lebenskreis oder aus dem Weltgeschehen, die den
Satz und seine Bedeutung und Anfragen neu lebendig werden lassen. Setze Deiner Phantasie keine
Grenzen; gib Deinen Gedanken und Empfindungen Raum: ob Spiel, ob Text, ob Skulptur, ob Bild, ob
Gedicht, Drama oder Tagebuch; ob Video oder Musik ... Die Möglichkeiten der Umsetzung Deiner Gedanken
in eine konkrete Gestalt sind nahezu unbegrenzt - im Gegensatz zum Abgabetermin:
Bis Sonnabend,
25. Februar 2012,
musst Du Dein Ergebnis an die
Stiftung Ökumenisches Lernen,
Kirchstraße 12, 38120 Braunschweig
geschickt haben. Wenn du mit anderen eine Partnerarbeit erstellen
willst, melde Dich bitte beim Geschäftsführer, Harald Welge: Telefon
(0531) 84 22 08
Solltest du keiner Kirche oder christlichen Gemeinschaft angehören, bist
auch du willkommen und kannst dich mit der Teilnahme an der Ausschreibung
um einen Stipendienplatz bewerben. Falls du einer anderen Religion angehörst,
solltest du dich mit dem Geschäftsführer (s.o.) in Verbindung setzen.
Wenn du mehr über die Stiftung wissen möchtest, bist du herzlich
zum Infonachmittag der Stiftung am Freitag, 9. Dezember 2011, von 15.30 Uhr bis 17.00 Uhr im
Gemeindehaus St. Martini, Eiermarkt 3 in Braunschweig (gleich am
Altstadtmarkt) eingeladen.
Damit wir wissen, wer an diesem Wettbewerb teilnimmt, bitten wir Dich,
uns Deine Anschrift mitzuteilen und Dich anzumelden. Vielleicht weißt
Du auch schon, für welche Form (Comic, Video, Hörspiel, Musik ...
siehe Infoflyer) Du Dich entscheidest; dann kannst Du es uns mitteilen.
Wir lassen uns aber auch gern überraschen. Wir sind gespannt auf Dein
Ergebnis und wünschen Dir anregende Gespräche und sprudelnde Ideen.
Bitte sende uns möglichst bis zum 24. Dezember 2011,
Deine Anmeldung zu. Auch spätere Anmeldungen sind noch möglich - bis
zum Abgabetermin.
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